Satiriker von Realität rechts überholt – sprachlos, im Streik oder unter Generalzensur?

Es ist nicht Aufgabe der Satiriker, Oppositionsarbeit (Opposition lateinisch oppositio ‚Entgegensetzung‘) zu leisten. Dazu sieht unsere Rechtsordnung Parteien vor und stattet sie für ihre Arbeit mit Mitteln aus. Zur Kontrolle der Opposition ist die so genannte ‚vierte Gewalt‘ berufen, die im wesentlichen derzeit ähnlich versagt, wie unsere Parteien. Satiriker können somit allenfalls die letzten Spitzen setzen. Vorbildlich taten dies  Dieter Nuhr Anfang Mai und Mathias Richling Anfang Juni:

Doch es fanden sich nicht viele Nachahmer. Möglicherweise, weil man die von Politikern verantwortete Realität kaum toppen kann:


Nun ja – Satire darf ja bekanntlich alles, außer langweilen. Und bei der derzeitigen Verfasstheit unseres Landes macht es als Satiriker auch kaum einen Sinn, sich wie Richling oder Nuhr aus dem Fenster zu lehnen um dann kaum noch gebracht zu werden.

Die Causa Florian Schäfer:

Florian Schäfer spielte über Bande und holte von ganz rechts aus mit der Frage, „wollt ihr die totale Wahrheit„, als er nach dem 01.08.2020 zu den aus Berlin nach Stuttgart heimgekehrten Demonstranten sprach:

Schröder endete mit „Vernünftig sein und nicht Glaubenssätzen folgen. Verhindert die Diktatur, indem ihr vernünftig seid, Maske auf, Abstand halten, nachdenken! – Danke“

Nun soll also die Widerstandsgemeinde Widerstand leisten, indem sie durch Maskentragen darauf aufmerksam macht, dass man der Regierung nicht trauen kann und  Maskentragen quatsch ist. Es ist eine sicherlich etwas zu unauffällige Form, seine Ablehnung durch Mitmachen zu signalisieren. Einem eloquenten Typen wie Schröder kann es unmöglich entgangen sein, dass die Mächtigen ihre Agenda skrupellos und erbittert verfolgen und sich von Nuancen des Maskentragens kaum irritieren lassen dürften. Das war so dick aufgetragen, dass es nur noch Ironie sein konnte.

Die Demonstrationsgemeinde war dennoch erst einmal sprachlos, ob der ihnen zuwider gewordenen Position, die Schäfer vordergründig vertrat. Man sprang darauf an – und nichts anderes kann sich ein Künstler wünschen – und zwar auf beiden Seiten:

Nachdenkseiten wunderten sich über Kabarett als Schutzschirm für Regierungskurs [MP3] [Rlink], The Deframing Channel meinte gar, einen Schmierlappen zerstören zu müssen:

Florian Schröder ruderte nicht einfach zurück, sondern hielt

die Ansprache, die wir alle brauchen,

nachdem er sich zur Vorbereitung dessen erst einmal ins Gespräch gebracht hatte. Ein Satiriker muss in jede Rolle schlüpfen dürfen – und er muss alles sagen dürfen, ohne dafür selber dran zu kommen. Dies monieren die Grundrechtsbesorgten – und dürfen nicht genauso handeln, wie diejenigen, die sie kritisieren. Jedenfalls kann man kaum sagen, Schröder habe nicht ganz durchgeladen:

Nun wurde auch die Gemeinde der Satiriker erst einmal sprachlos (gemacht). Eine kleine Erhebung (Screenshot) über die Veröffentlichungen des Kanals Comedy & Satire im Ersten ergab eine Anzahl Veröffentlichungen:

vor weniger als
2 Wochen:                 0
vor 2-4  Wochen:   5
vor 1 Monat:          31
vor 2 Monaten:    16
vor 3 Monaten:    23
vor 4 Monaten:    13
vor 5 Monaten:       8
vor 6 Monaten:    29
vor 7 Monaten:       4
vor 8 Monaten:    31
vor 9 Monaten:    16
vor 10 Monaten: 25

 

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