Streeck verstehen vs. „Verantwortungsvolle Normalität“

Als ob verantwortungsvolles Handeln für uns Menschen nicht normal wäre. Nach UN-Menschenrechtserklärung, Resolution 217 A (III) sind alle Menschen „frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Verantwortung ist also quasi

voll Normal.

Dennoch sieht sich mein nordrheinwestfälischer Ministerpräsident gemüßigt, uns noch einmal bei den Ford-Werken an die neue Normalität zu erinnern.

Dabei hatte ich noch diese Nacht vermutet, dass er es besser weiß und ihm einen offenen Brief geschrieben. Ich hatte mich wohl geirrt, worauf ich komme, wenn ich das Normalitätsfreigabevideo bei Ford mit Aufmerksamkeit schaue. Er kannte Streecks Aussagen wohl genauso wenig wie ich, die erst heute früh – vorab vor dem sogenannten ‚Peer-Review‘ – veröffentlicht wurden.

Zur Erleichterung des Studiums nachfolgend ein Summary:

Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event
(Hendrik Streeck, „Covid19 Case-Cluster-Study in Heinsberg“)
– Zusammenfassung von Leak6 –

In Gangelt (Kreis Heinsberg) wurde noch am 15.02.2020 Karneval gefeiert und erst am 26.02.2020 gab es dort einen Shutdown.
Die Datenerhebung erfolgte ab dem 25.02.2020 mit PCR; die eigentliche Studie nahm vom 30.03.2020 bis zum 06.04.2020 auch IgG/IgA-Proben.
Das Gesundheitssystem in Heinsberg wurde nicht überlastet.

Von 12.597 Einwohnern nahmen 919 Teilnehmer mit auswertbarem Infektionsstatus an der Studie teil (=7,3%).
Unter diesen Teilnehmern wurden 138 Infizierte (alle Meßmethoden zusammen =15,02%) festgestellt.
Von den Infizierten waren in der Spitze 85 und am Ende nur noch 33 per PCR-Test positiv.
22 gaben an, schon früher positiv PCR-getestet gewesen zu sein.

Die zugrunde liegenden IgG- und IgA-Messungen wurden nachträglich korrigiert, wodurch die Rate von 15,02% auf 15,53% anzuheben war, um sie danach auf 1.956 Infizierte unter 12.597 Einwohner hochrechnen zu können.

Vor der Studie waren lediglich 3,1% als infiziert gemeldet.
Die damalige Dunkelziffer lag somit bei 12,43%: Auf jeden bekannten Fall kamen 4 weitere, unbekannte Fälle.

Von diesen geschätzt 1.956 Infizierten verstarben während der Zeit der Studie 7 Menschen, woraus sich eine IFR (Infection Fatality Rate) von 0,358% ergibt.

Die Infektionsrate von 15,53% der Bevölkerung ist außerdem ein Mittelwert aus den Raten
21,3% (89 von 417 Karneval-Teilnehmern) und
9,5% (47 von 498 nicht Karneval-Teilnehmern).

Während in Gangelt 388 Personen (=3,08% von 12.597) PCR-positiv gemeldet waren, waren in der Auswahl der Personen, die an der Studie teilnahmen nur 2,39% PCR-positiv.
Wenn man dies berücksichtigt und mit 3,08/2,39 korrigiert, sind in Gangelt nicht 15.53% der Bevölkerung infiziert, sondern schon 19.98%. Daraus resultiert dann eine Todesrate unter den Infizierten (IFR) von sogar nur 0,278%.

In der Nachbeobachtungszeit gab es einen weiteren Covid-19 assoziierten Todesfall, der die konservative IFR von 0,36% auf 0,41% hebt.

Weiter erkrankten die Karnevalteilnehmer häufiger und schwerer, als die Nicht-Teilnehmer.
Eine besonders intensive Übertragung mit hoher Viruslast durch Singen mit kleinem Abstand wird dabei vermutet.
Insbesondere die symptomfrei infizierten Personen weisen hohe Antikörpertiter auf.

Das Sekundärinfektionsrisiko für Personen, die im gleichen Haushalt leben ist zwar gegeben, aber „unerwartet niedrig“.
Noch mehr das Risiko zu erkranken: Es kann sogar sein, dass unter geringer Virenlast eine Immunität entsteht, bevor es zur Erkrankung kommt.

Leak6 meint:
Die Studie bestätigt die schon vorab bekannt gegebene sehr niedrige IFR.
Sie bezeichnet auch das Sekundärinfektionsrisiko in Haushalten als unerwartet niedrig.

Aus der durchschnittlichen Lebenserwartung der Deutschen von 80,8 Jahren (= 29.492 Tage) ergibt sich für die 51 Tage der Studie in Gangelt eine durchschnittliche Sterbezahl von 22 Menschen.
Die 7 (bzw. 8) Covid-19-Toten in Gangelt sind somit nicht außerhalb jeder Relation.
Möglicherweise wurde aber lediglich das Sterben von ohnehin schwer erkrankten Menschen ’nur‘ einige Wochen vorgezogen, wie dies auch bei Grippewellen der Fall ist.
Die Frage ob mit Covid-19 oder an Covid-19 bleibt unbeantwortet.

Die Studie drückt sich vorsichtig aus und bezeichnet erworbene sowie Kreuzimmunitäten als von ihr nicht bewiesen, insbesondere nicht, wie lange eine Immunität vorhalten kann.
Die nur noch in geringer Zahl gefundenen PCR-Infektiösitäten indizieren aber durchaus diese Möglichkeit.

Zu Impfungen tritt somit die Möglichkeit der natürlichen Immunisierung hinzu.
Die Unheilbarkeit von Covid-19 ist haltlos; weitere neue Behandlungsansätze treten mit und neben dieser Studie hinzu.
Überwachungs- und Trackingmaßnahmen sind unnötig, Vorbeugung durch Hygiene und bewusstes Verhalten ist sogar in Hausgemeinschaften erfolgversprechend.

Die Studie belegt die Abhängigkeit der Schwere des Krankheitsverlaufs von der Virenlast der Infektion.
Das Superspreader-Ereignis Karneval war dabei in Quantität und Intensität besonders evident.
Dennoch blieb eine katastrophale Welle aus Sekundärinfektionen aus und zwar auch mit nachfolgenden 11 Tagen ohne Shutdown!

Daher hat der Rechtsstaat durch seine eigene Langsamkeit sämtliche Zwangs-, Überwachungs- und Bestrafungsmaßnahmen als unnötig bewiesen.
Schließlich ist Panikmache durch Phrasen wie „Dunkelziffer ist hoch“ nachgerade vollkommen aberwitzig.

Die Original-Studie ist hier:

https://www.ukbonn.de/C12582D3002FD21D/vwLookupDownloads/Streeck_et_al_Infection_fatality_rate_of_SARS_CoV_2_infection2.pdf/$FILE/Streeck_et_al_Infection_fatality_rate_of_SARS_CoV_2_infection2.pdf

Das Summary als PDF

 

3 Kommentare zu „Streeck verstehen vs. „Verantwortungsvolle Normalität““

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