ÄUSSERST WUNDERLICH

Seit ein paar Jahren genieße ich die Mitgliedschaft in der Gemeinde der Justizopfer.

Ob das eine Sekte ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich war schon einmal in einer Glaubensgemeinschaft, die manche als Sekte bezeichnen. Ich finde das nicht einmal ein Schimpfwort, weil die erste Christengemeinde auch schon als Sekte verschrien wurde (Apg. 24, 14). Dennoch legten etliche Glieder dieser Gemeinde Wert darauf, dass ihre Gemeinde keine Sekte sei, weil Sekten ja gefährlich wären und Menschen fingen und diese dann nicht mehr aus ihren Klauen heraus ließen. Bald kam allerdings die Nagelprobe …

Während in Diskussionen, Liedern und Textlesungen es immer wieder vorkam, zu betonen, wie mutig und entschlossen man auftreten müsse, zeigte es sich irgendwie in der Praxis, dass die Vorstellungen von Mut und Entschlossenheit trotzdem noch variieren können. Es kam jedenfalls zu einem Zerwürfnis und ich ging meinen Weg allein. Ungefähr ein Jahr später zeigte mir aber der Herr, dass man seine Gemeinde nicht gering schätzen soll – und auch dann nicht, wenn man den anderen verstehe versteht, weil es doch alles SEINE GELIEBTEN GESCHÖPFE sind. Ich trat also wieder ein und kann nun bestätigen, dass diese Gemeinde jedenfalls keine Sekte ist, aus der man nicht wieder austreten kann.


Nun bin ich also in der Gemeinde der Justizopfer. Und was uns vielleicht am meisten verbindet, ist der Wunsch aus dieser Gemeinde austreten zu wollen. Aber halt – es gibt auch einige Obsiegende, die trotzdem dieser Gemeinde die Stange halten.

Und die sind dann der Stoff, aus dem die Träume sind.

Der IKEA-Mann unter den christlichen Justizopfern würde vermutlich sofort fragen,

träumst du noch, oder glaubst du schon?

denn den Christen sagt man ja nach, dass es ihnen darum ginge, die Menschen zu Gläubigen zu machen. Ich frage da lieber,

glaubst du noch, oder schaust du schon?

Schauen ist irgendwie realistischer, z. B. bei der Frage, ob ein Kleiderschrank unzerlegt durchs Treppenhaus passt.

Na ja, jedenfalls kann man in der besagten Schicksalsgemeinschaft so einiges erleben.

Doch bevor ich es mir jetzt mit allen verscherze, beschränke ich mich lieber auf das ÄUSSERSTE:

Vor kurzem musste ich einen angeblich dummen Grundsatz – den Gleichheitsgrundsatz – aus dem Grundgesetz verteidigen. Jedenfalls war ich erst einmal perplex, dass ich nicht sofort wusste, zu retournieren. Dann aber fiel mir eine BVerf-Entscheidung ein, nach welcher es gegen den Gleichheitsgrundsatz verstößt, wenn man Ungleiches gleich behandelt. Beispielsweise leidet ein Afrikaner in der Isolationshaft unter 15° Heizung mehr, als ein Nordländer. Doch auch ohne diesen Vergleich kam schon Rassismus ins Spiel und ich musste noch weiter ausholen, nämlich dass es gegen Willkür und um das Nachfragen geht. Man darf also nicht einfach sagen, dass man es jedem so besorgen muss, wie er es braucht und dabei selbstgefällig für den anderen bestimmt, wie er es braucht.

Und nun kommt mir der Verdacht, dass ein Staatsanwalt brauchen könnte, was er nicht mag. Ich habe also nachgefragt und ihm die Möglichkeit der Gesichtswahrung signalisiert. Als er sich dann versicherte, dass ich gar kein Anwalt bin, war er dankbar für das Gespräch – aber mir schien: nur dafür, so schnell zu wissen, dass er sich mit mir nicht weiter würde abgeben müssen. Ich fragte dann per Fax, ob ich seine Klageschrift noch zu Ende lesen muss.

Schon bald werde ich also mit Nachfrage wissen, was er braucht. Und zwar, weil mir – bemerkenswerter Weise – der oben genannte Diskussionspartner mich nicht nur perplex machte, sondern mich auch inspirierte …

Wer sich dann wundert, wird man bald

sehen.

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