70 Jahre Grundgesetz

heute erwachte ich fünf Minuten bevor ich von meinem Radiowecker geweckt werden sollte und entkam so den Nachrichten zur vollen Stunde. Dem Gedenktag des 23.05.1949 entkam ich allerdings nicht, weil ich den folgenden Text in meinem

Andachtskalender zu lesen bekam:

Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. Psalm 40,9

Vor 70 Jahren, am 23. Mai 1949, wurde in einer feierlichen Sitzung des Parlamentarischen Rates das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet. Nach den schlimmen Erfahrungen der nationalsozialistischen Diktatur war es den „Vätern und Müttern“ der Verfassung, die sich im August 1948 auf der Insel Herrenchiemsee trafen, besonders wichtig, die individuellen Menschenrechte zu stärken. Der einzelne Bürger sollte so gut wie möglich vor einer Willkür des Staates geschützt werden.

„Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen … hat sich das Deutsche Volk … dieses Grundgesetz gegeben.“ (Präambel) Die ersten 19 Artikel sind den Grundrechten gewidmet. Als Basis wird in Artikel 1 formuliert: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Art. 1.1) Die formulierten Grundrechte sollen den Einzelnen schützen und ihm Freiraum zur persönlichen Entfaltung sichern: das Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichheit aller vor dem Gesetz, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungs- und Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Schutz von Ehe und Familie. Damit basieren Ethik und Moral unseres Grundgesetzes auf den christlichen Werten der Bibel, wie sie besonders in den Zehn Geboten (2 Mo 20) formuliert sind.

Und doch ist jedes irdische Gesetz begrenzt, weil seine Ausführung von unvollkommenen Menschen abhängt. Lebendigkeit und Wirksamkeit bekommt es erst, wenn es gelebt wird und nicht nur auf Papier, sondern im menschlichen Herzen geschrieben steht.

Der längste Psalm der Bibel, der 119. Psalm, besingt das Gesetz Gottes in 176 Versen. Jeder Absatz beginnt mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets. Ein wundervolles literarisches Kunstwerk, das die Schönheit des Gesetzes Gottes entfaltet. Es handelt sich dabei nicht um eine Sammlung von Regeln, sondern um die lebendige Offenbarung Gottes und den Ausdruck seines Wesens. Konkret und fassbar wurde dieses Gesetz in der Person Jesu Christi, der uns die göttlichen Werte vorlebte, in Achtung vor der Würde des Menschen, für den er sein Leben gab.

Heidemarie Klingeberg (Pastorin aus München,
Verlinkungen von Leak6)

aus „und vergib uns unsere Schuld“, Andachtsbuch 2019, Adventverlag


Und nun von mir die Andacht zur Andacht:

Zum einen oute ich mich hier ein weiteres Mal als jemand, der innere Werte für wichtiger hält, als die äußeren. In soweit stimme ich mit obiger Andacht überein, die auch betont, dass es auf das Ausleben der Gerechtigkeit und die innere Herzenseinstellung ankommt.

Zum anderen erlebe ich gerade wieder heute, dass es auch auf Äußerlichkeiten, Bekenntnisse und Feierlichkeiten ankommt. Mit solchen Mitteln kommunizieren Menschen, einen ihre Meinungen und Entschlüsse.

Positiv formuliert, folgt die Meinungs- und Willensbildung der Menschen auf Grundlage der grundgesetzlich geschützten (Art. 5 GG) Äußerungen anderer und auch Parteien sollen daran mitwirken (Art. 21 GG). Negativ formuliert, können Menschen auch „volksverhetzt“ (§ 130 StGB) werden. Es sind also nicht immer alle Mittel legitim.

Gerne verbindet man sich mit den Menschen gleicher Meinung, gleichen Glaubens oder mit denen, die die gleiche Auffassung bezüglich der zu verwendenden Mittel und Methoden haben. Gerne bildet man Parteien, Gemeinden und Klicken; gerne tauscht man sich nur dort (Filterblasen) oder bevorzugt dort aus. Gerne vermeidet man die Auseinandersetzung mit aus anderer Perspektive stammenden Argumenten. Gerne selektiert man, wer was erfahren darf. Gerne unterscheidet man zwischen Freund und Feind. Doch das ist ein gefährlicher Weg.

Zunächst einmal wird ein ggf. notwendiges Korrektiv einfach ausgeblendet. Dieser Weg ist anfällig für Verleumdungen und unabsichtliche üble Nachrede. Man mag sich in trügerischer Sicherheit wähnen und sogar die Fähigkeit zur sachlichen Auseinandersetzung verlieren. In der Gruppe fühlt man sich bestätigt und stark und ggf. berechtigt, mit voller Härte zuzuschlagen. Doch das ist Altes Testament! – Jesus räumte damit auf (Matth. 5, 43+44):

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« … und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, …“

So beten wir nun für alle, und wir wenden uns auch an alle – früher oder später kommt ja doch alles heraus (Luk. 12, 3):

„Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und was ihr ins Ohr flüstert in den Kammern, das wird man auf den Dächern verkündigen.“

Und so lass ich mir es sagen: Auch die Äußerlichkeiten – wie das Gedenken an diesen Tag – hat seinen Wert.

An diesen Tag gedenken, heißt auch der Opfer gedenken, die zu dem Bewusstsein führten, dass es eine Verantwortung braucht vor Menschen und vor Gott!

Und aus dem Buch „Und vergib uns unsere Schuld“ zitieren, heißt auch zu Ende denken bis zu (Mt. 6,12) „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Ach, dass doch mal wieder jemand seine Schuld zu mir brächte, damit ich sie ihm vergeben könnte und sie nicht – wie die meisten – verleugnet, respektive: sich selbst vergibt!

Amen

P. S.:


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