Überschrift gesucht!

Manchmal fehlen einem die Worte.
Manchmal hat man aber auch zu viele davon.
Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über (Luk. 6, 45).

Ich hatte mich mal entschlossen, die Augen nicht zu verschließen.
Und nun erlebe ich andauernd Dinge, über die wir einen Diskurs führen sollten, die aber anscheinend vollflächig ignoriert werden.
Im Ergebnis habe ich nun fast mehr Überschriften, als ich schreiben kann. Aber der Reihe nach …

I.
Vor über zwei Jahren witterte ich Betrug.
Das VG-Minden überhörte dies geflissentlich.
Ich verlor die Verhandlung und brauchte zur Begründung eines Berufungszulassungsantrages einen Anwalt. Diesem Anwalt (RA1) setzte ich detailliert sämtliche Betrugsmerkmale auseinander und machte für ihn das Geltendmachen von Betrug für seine Beauftragung zur obligatorischen Auflage.

Der Betrug fand innerhalb einer beruflichen Abschlussprüfung statt.
In der Prüfungsordnung wird das Mogeln innerhalb einer Abschlussprüfung mit dem Wort ‚Täuschungshandlung‘ behandelt und solches führt – wenn es denn zweifelsfrei festgestellt ist – zum Nichtbestehen der Prüfung.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Täuschung und Betrug ist, dass es beim Betrug auch noch einen konkret Geschädigten gibt.
In meinem Fall wurde ich um notwendiges Wissen betrogen und leide insofern bis heute unter einer erklärungsbedürftigen Beschwer. Mit der Beseitigung meiner Beschwer beauftragte ich deshalb auch meinen Rechtsanwalt RA1.

RA1 allerdings verstand mich wohl nicht ganz richtig und betrieb in meinem Namen lediglich eine ‚Prüfungsanfechtung‘. Er legte meine Beschwer nicht einmal dar und auch nicht die sonstigen angereichten Betrugsmerkmale. Er schrieb lediglich:

Der Kläger wittert Betrug, bzw. sieht Betrug.

So muss jeder Jurist aus dem Munde eines anderen Juristen verstehen, wenn der von einem Nichtjuristen das Wittern behauptet, aber keine Tatbestandsmerkmale erfährt, dass es sich lediglich um eine nicht juristische und deshalb nicht richtige Deutung handeln würde.

In der Folge kündigte ich meinem Anwalt und verweigerte seine noch ausstehenden Forderungen. Der Anwalt hingegen verklagt mich und lies bei der Darlegung seiner Forderungsgrundlage unter den acht Seiten der Beauftragung genau die fünf mit den Unterschriften fort, die meinen auf Beschwerbeseitigung lautenden Auftrag darlegten. Man kann sich denken, was ich witterte – richtig:

PROZESSBETRUG

Der Anwalt witterte in meiner Einladung zum Verhandlungstermin eine Beleidigung und mahnte mich ab. Seine Abmahnung bestätigte zwar meine Tatsachendarlegungen und auch telefonisch konnte der von diesem damit beauftragte Rechtsanwalt RA3 nicht beantworten, welche Tatsachen ich falsch dargestellt hätte.

Daraufhin witterte ich, dass es diesen Anwälten immer noch nur allzu recht sein könnte, dass das Gericht bezüglich des erteilten Auftrags einem Irrtum unterliegen könnte und eröffnete ihnen das Angebot der tätigen Reue durch aktive Richtigstellung des erst durch ihre Unterlassungen möglich gewordenen Irrtums. Konkret benannte ich meine Witterung in der Ausformulierung wie folgt,

Haben Sie fortgesetzen Tatwillen?

Dabei stellte ich drei einfache Fragen, wie z. B. die, wann der Anwalt RA1 denn überhaupt meinen auf Beschwerbeseitigung lautenden Auftrag verstanden habe.

Nebenbei befasste ich mich noch mit einer anderen Sache, der Sprengung der Morandi-Brücke am 14.08.2018 in Genua. Auch hier witterte ich also drauf los und suchte zunächst einmal ergebnisneutral Pro und Kontra. Die aufgenommene Spur führte mich u. a. zu Bohrlöchern für Sprengsätze und Italienisch sprechenden Blogs. Und weil ich fast überhaupt kein Italienisch kann, bemühte ich den Google-Übersetzer. Dieser nun wiederum witterte offenbar angesichts meines Vokabulars Bombenterror und quittierte den Dienst. Als ich nämlich die Passage

„Questo è esattamente ciò che causano i fori profondi per i dispositivi esplosivi.“

zur Kontrolle von Italienisch nach Deutsch übersetzen lassen wollte, kam nur noch (siehe obiges Beitragsbild!) die Endloswiederholung,

„Fotobereich, Fotobereich, Fotobereich, …“

dabei heraus. Angesichts Frettchen tragender Twitter-Meister kommen mir in dieser Stimmungslage für eine Überschrift nun Ideen, wie

Die Witter-Saison ist eröffent„,
Mein Witter-Account ist angelegt“ oder
ab 5:45 Uhr wird zurück gewittert!

(an welchem Tag auch immer – aber vor allem, weil nach einer der Ausreden die Brücke durch ein Gewitter zum Einsturz gebracht worden sein soll, muss nun unbedingt sachlich zurück gewittert werden!)


II.
Gegenstand meines vorläufig der Öffentlichkeit entzogenen Webbeitrages,

„Anwalt wollte Betrug nicht rügen – begeht er ihn nun selbst?“

war nicht die Behauptung der Erfüllung juristischer Tatmerkmale des Betrugsparagraphen 263 StGB. Vielmehr lies ich den RA1 lediglich von dieser Rechtsnorm grüßen. Folglich kann auch eine solche Aussage nicht als im juristischen Sinn gemacht gelten, sondern dem Leser wird lediglich die Strafnorm als Maßstab einer eigenen Meinungsbildung angereicht. Im Zuge von Abmahnung und Erwiderung lies ich natürlich noch von viel mehr Paragraphen und auch Grundgesetz-Artikeln grüßen. Und so kommt mir als Idee für eine Überschrift in den Sinn:

Weshalb ich mich entschloss,
ein Grüß-Onkel zu werden.


III.
Der Rechtsanwalt RA1 ist nicht erst seit diesem Sommer mit meinen Fragen konfrontiert. Viele Monate juckte ihn auch die öffentliche Konfrontation nicht, weil ich öffentlich auf die Nennung seines Namens verzichtete. Daher kommt mir nun auch noch als Idee für eine Überschrift in den Sinn:

ach wie gut dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“

Die Königin fragt zunächst, ob Rumpelstilzchen „Kunz“ oder „Heinz“ heiße, … und ist damit schon ganz schön nah dran:
Wikipedia verlinkt bei Rumpelstilzchen zu Hinz und Kunz, was wiederum eine deutsche Redewendung und Synonym für Jedermann ist. Was ist wichtiger? Die Wiederholungsgefahr einer Straftat zu beenden, indem der Täter benannt, ergriffen und zur Rede gestellt, nötigenfalls öffentlich verurteilt wird, oder sein Persönlichkeitsrecht, bezüglich lediglich vorgeblich nicht erweislich wahrer Tatsachen nicht beschuldigt zu werden?


IV.
Die Tatsache, dass meine Empörung über das möglicherweise Prozessbetrug zu nennende Vorgehen des Rechtsanwalts RA1 Ausfluss fand in den Worten

„… Das hat schon was!
§ 263 StGB lässt grüßen …“

und in der Abmahnung auch dieser Seufzer sowie  gleich vier mal wiederholt wurde, beweist doch irgendwie auch, dass jedenfalls Ausdruck „Das hat schon was!“ beidseitig angemessen zu sein scheint – mithin unumstritten ist.

Daher kommt mir nun auch noch als Idee für eine Überschrift in den Sinn:

Dankeschön – das hat schon was:
Rechtsanwalt wiederholt schmerzhafte Zuspitzung gleich vier mal!

Diese Überschrift könnte für eine Einladung an die Justizreporter besonders gut geeignet sein, weil diese sich ja ohnehin täglich fragen, wie sie das Interesse ihrer Leser mithilfe knackig zugespitzter Überschriften gewinnen können. Schon von Berufswegen sollte sie die Grenze des Erlaubten interessieren.


V.
Die erst einmal letzte, mir in den Sinn kommende Überschrift würde lauten,

Wer die Wahl hat, hat die Qual!

und wäre an meinen ehemaligen Rechtsanwalt RA1 gerichtet. Dieser steht nun in Zugzwang und muss erklären, ob er

A) meinen Auftrag bis vor kurzem nicht verstanden hat und lediglich versehentlich nicht bei Gericht einreichte,

oder

B) meinen Auftrag sehr wohl verstanden hat, aber bewusst nicht mit bei Gericht einreichte.

Eine reelle Chance für seine Honorarklage sehe ich in beiden Fällen nicht. Der Unterschied ergibt sich erst bei der Frage, ob der von ihm bewirkte Schaden mit oder ohne seinen Willen behoben wird und in welcher Form er an der Wiedergutmachung beteiligt sein wird. Wer tätige Reue leisten will, kann dies u. U. selbst tun, die anderen müssen lediglich zahlen.

Diese – erst einmal letzte – Klarstellung finde ich ausgesprochen wichtig, weil sie auch für den Anwalt einen Weg zum Guten hin aufzeigt, der am Ende gesegnet sein kann. Hagen Rether (hier, ab Minute 8) meint, er sei mehr (als nur dem Anschein nach fromm) und würde sich bei der Wahl zwischen Pest und Cholera (hier, in Minute 30) immer für Cholera entscheiden. Schon Mose legte dem Volk den guten und den schlechten Weg vor (5. Mose 30, 16) und auch ich halte es wie Samuel  (1. Sam. 12, 23):

„Es sei aber auch ferne von mir, mich an dem HERRN dadurch zu versündigen, dass ich davon abließe, für euch zu beten und euch zu lehren den guten und richtigen Weg!“

Und deshalb ergänze ich noch einmal die zwei Zeilen, die mein Rechtsanwalt hat abschneiden lassen:

Wer eine Aufgabe nicht erkennen kann, wird sie niemals lösen. Wer sie nicht erkennen will, ist fehl am Platz.

Ja, zwischen wahr und falsch gibt es keinen Mittelweg. Nicht zuletzt ist das auch der Grund, warum die Elektronenhirne mit ihrer digitalen, binären Logik so schnell rechnen und denken können und uns Menschen schon bald vollumfänglich in Schatten stellen werden.

Amen

P. S.: Wer zur Lage der Nation – ggf. auch andere – Vorschläge hat, kann sie abmahnsicher richten an jockel (at) u-a-i (punkt) de.

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